Angebote der Praxis

Die Praxis nimmt an der Sozialpsychiatrievereinbarung (SPV) der gesetzlichen Krankenkassen teil:
Soziale Psychiatrie sieht den psychisch kranken Menschen in seiner gesellschaftlichen Einbindung und bekennt sich zu einer praktischen und politischen Verantwortung für eine humane Gesellschaft, in der Menschenrechte, Freiheit und Selbstbestimmung auch für psychisch kranke Menschen gelten (v.a. Art. 1 und 2 Grundgesetz (GG)). Im Rahmen der kinder- und jugendpsychiatrischen Sozialpsychiatrie ist insbesondere dem Elternrecht (Art. 6 Abs. 2 GG) Rechnung zu tragen (siehe Erstgespräch).

Etwa 17% aller Kinder und Jugendlichen zeigen psychische Störungen wie Hyperaktivität, Angststörungen, Depressionen, sowie dissoziale oder aggressive Verhaltensauffälligkeiten. Psychische Störungen bei Kindern und Jugendlichen sind somit vergleichsweise häufig, stabil und erhöhen das Risiko für die Entwicklung einer psychischen Störung im Erwachsenenalter signifikant. Das Kindes- und Jugendalter ist die Hauptrisikoperiode für die Entwicklung psychischer Störungen.

Die SPV (gemäß Sozialgesetzbuch (SGB) V) hat eine multiprofessionelle, ganzheitliche und ambulante Behandlung in der kinder- und jugendpsychiatrischen Praxis zum Ziel. Berücksichtigt werden dabei individuelle, familiäre, soziale sowie pädagogische Einflüsse. Die Praxis hält für die Arbeit ein multiprofessionelles Team vor, bestehend aus medizinischen, psychologischen, pädagogischen Fachkräften sowie sozialen Diensten. Es arbeiten neben Fachkräften für Heilpädagogik und soziale Arbeit auch Psychotherapeuten, im Rahmen der Vernetzung auch Ergotherapeuten, Sprach- und Physiotherapeuten mit dem Kinder- und Jugendpsychiater zusammen. Gemeinsam erarbeiten sie für jeden Patienten ein individuelles, umfassendes Behandlungskonzept, über das sie sich in multiprofessionellen Besprechungen regelmäßig austauschen.

Das sozialpsychiatrische Konzept berücksichtigt, dass Kinder und Jugendliche mit psychischen und anderen Entwicklungsstörungen in ihren Familien oder vergleichbaren Strukturen (z.B. Pflegefamilien, Kleinsteinrichtungen mit familienähnlicher Struktur) aufwachsen. Sie besuchen die Schule und haben soziale Kontakte. Diese Strukturen sind tragfähig.

Entwicklungsstörungen bei Kindern und Jugendlichen können ganzheitlich verstanden werden, wenn sie aus mehreren fachlichen Blickwinkeln und systemisch mit ihrem familiären, sozialen und pädagogischen Umfeld betrachtet und behandelt werden.

Die SPV-Praxis bietet Kindern und Jugendlichen selbst bei komplexen (sozial-) psychiatrischen Problemen eine Alternative zur stationären Behandlung, stets nach dem Motto: ambulant vor (teil-)stationär. Die Kooperation zwischen dem Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und weiteren therapeutisch ausgebildeten Fachkräften innerhalb der Praxis gewährleistet die kontinuierliche, auf die Patienten (und die Familien) individuell zugeschnittene, ganzheitliche Betreuung und Behandlung.

Die häufigsten psychiatrischen Probleme bei Kindern und Jugendlichen sind Entwicklungsstörungen wie beispielsweise Lese-, Rechtschreib- und Rechenstörungen, außerdem Entwicklungsstörungen der Aufmerksamkeit bis hin zu Aufmerksamkeitsstörungen, emotionale Störungen wie übermäßige Angst oder Depressionen, Zwänge sowie Anpassungsstörungen, die auftreten können, wenn ein Kind z. B. ein belastendes Ereignis wie etwa die Trennung der Eltern nicht verkraftet oder es in der Schule gemobbt wird. Hinzu kommen Essstörungen sowie posttraumatische Belastungsstörungen.

Grundsätzlich können alle Störungsbilder in der SPV-Praxis behandelt werden, solange keine akute Suizidalität, massive körperlich bedingte Störungen oder massive Entzugssymptome vorliegen. In letzteren Fällen müsste eine stationäre Behandlung erwogen bzw. in die Wege geleitet werden.

Im Rahmen der sozialpsychiatrischen Versorgung von Kindern und Jugendlichen kooperieren wir hierfür je nach individuellem Bedarf u. a. mit nachfolgenden ärztlichen, therapeutischen und pädagogischen Institutionen:
Hausärzten

Fachärzten (z. B. Kinderärzten, Pädaudiologen, Neuropädiatern,
sozialpädiatrischen Zentren, kinder- und jugendpsychiatrischen Kliniken, Praxen und Institutsambulanzen)

Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten
Ergotherapeuten
Lerntherapeuten
Logopäden/Sprachtherapeuten
Krankengymnasten/Physiotherapeuten
Schulen und Lehrern
Kindergärten und Erziehern (inkl. Frühförderung)
Jugendamt/Gesundheitsamt
unterschiedlichen Jugendhilfeträgern, sozialen Diensten und Beratungsstellen

Wir behandeln Patienten mit

Anpassungsstörungen (psychische Reaktionen auf belastende Situationen)

Angststörungen

Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörungen (ADS/ADHS)

Ausscheidungsstörungen (Enuresis, Enkopresis)

Autismus

Bindungsstörungen

Dissoziale Störungen, Jugendliche mit Delinquenz

Emotionale Störung des Kindesalters

Entwicklungs- und Lernstörungen

Essstörungen

Depressive Störungen

Mutismus

Persönlichkeitsentwicklungsstörungen

Phobien

Posttraumatische Belastungsstörung

Psychosen

Schlafstörungen

Schulvermeidung

Selbstverletzendes Verhalten

Somatoforme Störungen

Störung des Sozialverhaltens

Suchtmittelmissbrauch/-abhängigkeit

Tic-Störungen

Zwangsstörungen



Diagnostik:
Nach Erhebung der Vorgeschichte, bei der die schulische, berufliche, familiäre und soziale Situation eine besondere Rolle spielt, erfolgt eine umfassende kinder- und jugendpsychiatrische Diagnostik.
Intelligenz und Leistungsfähigkeit, Entwicklungsstand, emotionale Befindlichkeit, Persönlichkeit und psychometrische Untersuchungen sind wichtige Bestandteile der psychologischen Zusatzdiagnostik, die zum Standarduntersuchungsprogramm gehört, ggf. werden darüber hinaus spezifische Fragestellungen (z. B. Entwicklungsstörungen) geklärt.
Blut- und Urinproben sowie radiologische Untersuchungen (Computer- oder Kernspintomographie) fordern wir nach Indikation an.

Im Einzelnen bieten wir folgende Diagnostikbausteine an:
Rechenstörung
Lese- und Rechtschreibstörung
Emotionale Störungen
Intelligenztestung
Orientierende Autismusdiagnostik

Therapie:
Wir wenden ausschließlich wissenschaftlich fundierte, evidenzbasierte Therapien an. Das Behandlungsprogramm wird stets individuell den Möglichkeiten und Bedürfnissen des Patienten angepasst.
In der Beratung von Patienten und Bezugspersonen vermitteln wir störungsspezifisches Wissen, um typische Merkmale und Problemsituationen besser einschätzen und angemessen als Hilfe zur Selbsthilfe reagieren zu können.

Je nach Indikation, Alter und Entwicklungsstand kommen folgende Therapien alleine oder kombiniert zum Einsatz:
Beratung von Patienten, Eltern oder Bezugspersonen
Psychotherapie (verhaltenstherapeutische Interventionen, Gruppen- und Einzelbehandlungen)
Heilpädagogische Beratung und Behandlung
Flankierend kreativtherapeutische und Spielangebote, Impulse zur Freizeitgestaltung
Medikamentöse Behandlung

Betreuung und Behandlung von Menschen mit Behinderungen:
Seit April 2012 gewährleistet der Praxisinhaber über eine Sonderermächtigung der Kassenärztlichen Vereinigung die Betreuung der Bewohner des St. Josefshauses in Rheinfelden-Herten. Seither hat sich ein fester Patientenstamm entwickelt. Die Patienten werden in ihrem gewohnten Umfeld, auf ihren Gruppen betreut und behandelt, ohne dass sie die gewohnten Umgebungen verlassen müssen. Die Teams werden vor Ort im Umgang mit z.T. äußerst herausfordernden Verhaltensweisen der Bewohner beraten.
Auch in der Praxis soll die Behandlung von Kindern und Jugendlichen mit geistiger Behinderung sowie eine Begleitung der Eltern und des Umfeldes angeboten werden.

Kooperation mit Einrichtungen/Kliniken:
Der Praxisleiter betreute bereits von 2008 bis 2015 die Fachklinik für Suchtkranke Jugendliche und junge Erwachsene Haus Weitenau in Steinen. Diese konsularische Tätigkeit wurde im November 2018 wieder aufgenommen.

Weiterhin werden über die Praxis per Sonderermächtigung der KV Südbaden die Heimbewohner mit psychischen Erkrankungen des St. Josefshauses in Rheinfelden-Herten betreut.