Gutachten & Risikobeurteilungen

Gutachten und forensische Risikobeurteilungen:
Forensik leitet sich aus dem lateinischen Wort „forum“ ab. Damit wurde in römischen Städten der zentrale (Markt-)Platz bezeichnet, auf dem neben dem Verkauf von Waren auch Gerichtsprozesse, Verurteilungen und Hinrichtungen stattfanden. Heute werden die forensischen Disziplinen als „Gerichtswissenschaften“ bezeichnet, welche für Staatsanwaltschaften und Gerichte Beweismittel zur Verfügung stellen, die die Juristen in der Beurteilung von psychiatrischen Sachverhalten unterstützen sollen.

Als zertifizierter forensischer Kinder- und Jugendpsychiater und Erwachsenenpsychiater kann der Praxisinhaber die Anfertigung von Gutachten für Gerichte, Behörden sowie Staatsanwaltschaften etc. von Kindern, Jugendlichen, Adoleszenten und Erwachsenen / Beratung des Umfeldes (Familie, Schule, Jugendamt, Polizei etc.) zur Verfügung stellen.
Konkret können folgende kostenpflichtige Dienstleistungen (nach dem Justizvergütungs- und -entschädigungsgesetz (JVEG)) angeboten werden:

Strafrechtliche Fragestellungen:
§ 3 JGG Verantwortungsreife 14-bis 18-Jähiger
§105 JGG Verantwortungsreife Heranwachsende (18- bis 21-Jähriger)
Zur Schuldfähigkeit (§§20, 21 StGB), Beurteilung zur Verhältnismäßigkeit (§62 StGB) und Notwendigkeit zur einstweiligen Unterbringung in einem psychiatrischen Krankenhaus (§63 StGB), einer Entziehungsanstalt (§64 StGB) oder (in besonderen Fällen) der Sicherungsverwahrung (§66 StGB)

Risikobeurteilungen:
In Einzelfällen Beurteilung zu Risikoeigenschaften von Tätern/Gefährdern, zur Kriminalprognose bei der Frage einer bedingten Entlassung (bzw. Vollzugslockerung) aus dem Maßregel- oder Strafvollzug samt Vollzugsgestaltung, Behandlungsindikation und Beurteilung der Therapiemotivation und Beeinflussbarkeit von Straftätern
In begründeten Einzelfällen Risikobeurteilungen bei Drohungen (z.B. Fremdaggressionen, häuslicher Gewalt, Amokdrohungen)

Zivil- und sozialrechtliche Gutachten:
Unterbringung
Familienrecht (insbesondere zu Fragen des Kindeswohls, zur elterlichen Sorge und des Umgangs)
Betreuungsrecht
Opferentschädigungsrecht
Schwerbehindertenrecht
Gutachten zur Beurteilung einer seelischen Behinderung (§35a SGB VIII)

Wir engagieren uns im Rahmen der forensischen Psychiatrie für Opfer von Straftaten, aber auch für Täter im Sinne einer deliktbezogenen Behandlung.
Die forensische Diagnostik und Beurteilung (gem. BAG, DGKJP, BKJPP) führen wir praktisch ausschließlich als Sachverständigengutachten im Auftrag von Gerichten, Behörden oder Staatsanwaltschaften durch.
Bezüglich zivilrechtlichen Begutachtung nehmen wir Aufträge von Gerichten, Ämtern und Behörden an.

Gutachten auf Wunsch von Prozessbeteiligten oder Antragstellern fertigen wir nur nach sorgfältiger Abwägung und in der Regel nach Vorkasse an.

Ablauf der Begutachtung

In einem Untersuchungsgespräch spreche ich u.a. über den Anlass der Begutachtung, Deine/Ihre momentane Lebenssituation, den aktuellen Gesundheitszustand, ggf. über aktuelle und frühere Erkrankungen und eine ggf. bestehende Medikation, die Lebensgeschichte, die Familiensituation sowie über Alkohol- und Drogenkonsum(erfahrungen).

Abhängig von den Fragestellungen der beauftragenden Stelle oder einer Einzelperson kann das Gespräch unterschiedlich lange dauern. Die Gesprächsinhalte können, je nach Fragestellung des Auftraggebers, unterschiedlich intensiv besprochen werden. Eventuell werde ich darum bitten, Ärzte sowie Stellen, die eine wichtige Funktion hatten oder haben, von deren Schweigepflicht zu entbinden, damit ich von diesen weitere Informationen anfordern kann, so sie zu Beantwortung der Fragen des Auftraggebers erforderlich sind.

Möglicherweise bitte ich darum, dass Sie/Du einige Fragebögen standardisierter Testverfahren auszufüllen, wenn dies die Diagnostik oder Beurteilung erleichtert.

Auch eine körperliche Untersuchung oder Laboruntersuchungen können Teil der gutachterlichen Untersuchung sein.

Das Ergebnis der Begutachtung teile ich in der Regel nicht unmittelbar mit, da nach der Begutachtungsuntersuchung meist noch mehr oder weniger aufwendige Auswertungen erfolgen. Neben den Ergebnissen des Gespräches fließen Informationen aus übersandten Akten, Ergebnisse durchgeführter Testverfahren, angeforderter ärztlicher Befunde und sonstiger Informationen (z.B. vom Jugendamt, weiterer Behörden) in das zu erstellende Gutachten ein.

Das schriftliche Gutachten wird an den Auftraggeber übersandt. Im Falle eines Privatgutachtens erhalten Sie das Gutachten. In der Regel wird das Gutachten dem beauftragenden Gericht oder der Staatsanwaltschaft bzw. sonstigen Behörde übermittelt. Sie können das Gutachten von dort beziehen. Im Strafverfahren hat das übersandte schriftliche Gutachten einen vorläufigen Beweiswert. Das endgültige Gutachten wird erst am Ende der Beweisaufnahme in der Hauptverhandlung mündlich erstattet.

Schweigepflicht

Gegenüber dem Auftraggeber besteht keine ärztliche Schweigepflicht. Die Begutachtung ist aber dennoch eine grundsätzlich der Schweigepflicht unterliegende ärztliche Tätigkeit. Dritten gegenüber werden weder Mitteilungen über die Tatsache der Begutachtung als solche, noch über die Inhalte der Begutachtung gemacht. Im Falle von Privatgutachten sind Sie der Auftraggeber. Sollte Ihnen das Gutachtenergebnis nicht zusagen müssen Sie das Gutachten nicht weitergeben.

Im Falle von Gerichtsgutachten oder Gutachten im Auftrag von Behörden werden dem Auftraggeber alle Erkenntnisse aus der Begutachtung mitgeteilt. Als Sachverständiger trete ich nicht in ein Arzt-Patienten-Verhältnis mit Dir/Ihnen ein. Deswegen ist in Sachverständigengutachten die Rede von Probanden oder Betroffenen (z.B. in versorgungsmedizinischen Gutachten). Sie sollten/Du Solltest im Rahmen der Begutachtung nicht über Sachverhalte sprechen, die Sie/Du dem Auftraggeber nicht mitteilen wollen/willst. Sie können/Du kannst Angaben, die Sie bereits getätigt haben/Du bereits getätigt hast, nicht zurücknehmen. Sie können/Du kannst mich nicht darum bitten, bestimmte Teile des Begutachtungsgesprächs nicht zur Beurteilung der Gutachtenfrage zu verwenden.

In ganz wenigen Fällen kann es für alle Ärzte gerechtfertigt sein, die ärztliche Schweigepflicht zu brechen. Es handelt sich hierbei um Fälle, in denen von Ihrem/Deinem Handeln eine erhebliche und konkrete Gefahr für andere Personen ausgeht.

Mitwirkung

Grundsätzlich steht es Dir/Ihnen frei, an der Begutachtung mitzuwirken oder nicht. Es gibt keine Mitwirkungspflicht bei einer Begutachtung. In Einzelfällen kann Dein/Ihr Erscheinen zum Begutachtungstermin gerichtlich durchgesetzt werden. Eine inhaltliche Mitarbeit kann jedoch von mir nicht erzwungen werden.

Die Folgen fehlender Mitwirkung von Probanden unterscheiden sich in Abhängigkeit von den Gründen der Begutachtung. 

Bei Privatgutachten ist die Folge fehlender Mitwirkung in der Regel, dass kein Gutachten gefertigt wird. Sie können das Gutachten der Stelle, für die Sie das Gutachten einholen wollten, folglich nicht vorlegen.

Im Strafrecht ist Schweigen eine zulässige Handlung eines Angeklagten. Wenn Du/Sie Dich/sich in zulässiger Weise entscheiden, an einer Begutachtung nicht mitzuwirken, kann jedoch versucht werden, eine Begutachtung nach Aktenlage und durch Beobachtung in der Hauptverhandlung durchzuführen. Sie müssen/Du musst damit rechnen, dass das Gericht versuchen wird, entsprechende Informationen zu verwerten. Dies kann zu einer falschen oder einseitigen Sichtweise des Gerichts führen. Die Frage, ob Du/Sie an der Begutachtung mitwirkst/mitwirken, sollten Sie/solltest Du gemeinsam mit Ihrem/Deinem Strafverteidiger entscheiden.

In Betreuungs- und Unterbringungssachen besteht die grundsätzliche Möglichkeit, den Probanden zur Untersuchung auch zwangsweise durch die Polizei vorzuführen oder sogar zur Beobachtung in einem Krankenhaus unterzubringen. Die Gerichte werden diese Möglichkeit in den meisten Fällen nicht ausschöpfen. Dennoch besteht die theoretische Möglichkeit, dass sich die fehlende Mitarbeit auf die Umstände der Begutachtung negativ auswirkt.

Anwesenheit Dritter

Die Frage, ob Dritte während der Begutachtung anwesend sein dürfen, um Sie/Dich zu unterstützen, ist eher mit „Nein“ zu beantworten.

Für Gutachten im Strafverfahren gilt, dass (außer einem gerichtlich bestellten Dolmetscher) kein Dritter der Untersuchung beiwohnen darf. Dies gilt auch für Deinen/Ihren Verteidiger. Die Anwesenheit Dritter kann das Gutachtenergebnis beeinträchtigen und würde in entsprechenden Gutachten dazu führen, dass diese nicht entsprechend der ärztlichen Kunst erstellt wären.

Bei Privatgutachten wird von mir grundsätzlich keine dritten Person bei der Begutachtung zugelassen. Sofern Du/Sie für die Begutachtung einen Dolmetscher benötigen, müssen Sie einen vereidigten, öffentlich bestellten Dolmetscher beauftragen. Keinesfalls darf von Angehörigen gedolmetscht werden. 

Bei Begutachtungen in Betreuungs- oder Unterbringungsangelegenheiten besteht bei mir grundsätzlich die Bereitschaft, eine Vertrauensperson der Untersuchung beiwohnen zu lassen. Sofern eine dritte Person während des Gutachtengesprächs anwesend ist, wird von mir darauf geachtet, dass diese nicht in den Untersuchungsablauf eingreift. Sie darf das weder durch Äußerungen, noch durch Gestik oder Körpersprache tun. Sollte der Eindruck entstehen, dass die Untersuchung durch die Anwesenheit der Vertrauensperson beeinträchtigt wird, muss ich diese bitten, die Untersuchungssituation zu verlassen. Ein rechtlicher Anspruch auf die Anwesenheit einer Vertrauensperson bei der Untersuchung besteht nicht.

Kosten

Die Kosten der Begutachtung trägt der Auftraggeber des Gutachtens. Bei Privatgutachten sind Sie der Auftraggeber und tragen die Kosten selbst. Ich führe einen privaten Gutachtenauftrag nur nach einem Kostenvorschuss aus. In besonderen Härtefällen fertige ich Privatgutachten bei einer entsprechenden Ratenzahlungsvereinbarung.

Gutachten, die von Gerichten oder anderen Behörden in Auftrag gegeben werden, werden auch von diesen vergütet. Je nach Ausgang des entsprechenden Verfahrens besteht jedoch zum Teil die Möglichkeit, Sie im Nachhinein mit den entstandenen Kosten zu belasten. Auf diesen Vorgang hat der Sachverständige keinen Einfluss. Dies ist Angelegenheit des Gerichts bzw. der beauftragenden Behörde.

Gerichtsgutachten bzw. Gutachten im Auftrag von Staatsanwaltschaften oder Behörden werden nach den Bestimmungen für Sachverständige des „Gesetzes über die Vergütung von Sachverständigen, Dolmetscherinnen, Dolmetschern, Übersetzerinnen und Übersetzern sowie die Entschädigung von ehrenamtlichen Richterinnen, ehrenamtlichen Richtern, Zeuginnen, Zeugen und Dritten“ (JVEG) abgerechnet. Meistens erfolgt eine Abrechnung nach Stundensätzen, die – je nach dem Anlass der Begutachtung – zwischen 65,00 € (M1), 75€ (M2) und 100,00 € (M3) pro Stunde betragen. Hinzu kommen Kosten für Auslagen wie Porto, Park- und Fahrkosten etc. sowie die gesetzliche Mehrwertsteuer.

Privatgutachten werden mit dem 2,3 – 3,5-fachen (67,02 bzw. 102,00 €) Gebührensatz nach Ziffer 85  der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) pro Stunde abgerechnet. Hinzu kommen ggf. Kosten für Auslagen und Fahrten sowie die gesetzliche Mehrwertsteuer. Für bestimmte Begutachtungen in privatem Auftrag kann auch eine pauschale Honorarvereinbarung getroffen werden, um Ihnen Kostensicherheit zu gewähren. Das Honorar muss sich aber aus berufsrechtlichen Gründen in einem angemessenen Rahmen bewegen.

Alle Gutachten werden von mir gewissenhaft, gründlich sowie nach bestem Wissen und Bemühen einwandfrei angefertigt.